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Kapitel 44
Wie kommt man in das Bett eines Österreichers?


* Sara *

Lustlos schob ich mir ein Stück Brötchen in den Mund, während Björn über das Springen in Vikersund philosophierte. Wir hofften beide, dass dort endlich sein Knoten aufgehen würde. Ich hangelte nach einer Flasche Wasser, die auf dem Rücksitz lag und ließ mich danach wieder geschafft in meinen Sitz sinken.
Seit einer Stunde raste er nun schon über die Autobahn Richtung Westen, bis nach Vikersund würden wir nicht mehr all zu lange brauchen.
„Ich mach drei Kreuze, wenn wir auf unserem Zimmer sind.“ Björn löste seine rechte Hand vom Lenkrad und legte sie auf meine. Jedesmal wieder war ich überrascht, was seine Berührung in mir auslöste. Dieses Kribbeln, dass meine ganzen Körper sofort durchfuhr, sobald wir uns berührten. Trotzdem hatte ich mir fest vorgenommen, mich in nichts hinein zustürzen. Im letzten Jahr war ich schlauer geworden. Oder zumindest hoffte ich das.
Ich schleppte mich in unser Hotel und ließ mich erschöpft in einen großen schwarzen Ledersessel fallen. Irgendwie fühlte ich mich ganz und gar nicht wohl und ich glaubte, mein Kopf würde jeden Moment zerspringen.
"Gehts dir gut?" Matti stand plötzlich vor mir und sah mich mit einer hochgezogenen Augenbraue an.
"Nicht wirklich" grinste ich gequält und stand auf um ihn zu umarmen. Ich schloss kurz die Augen, weil sich um mich herum alles zu drehen schien und fand mich im nächsten Moment in Mattis Armen wieder.
"Was war das denn?" fragte ich verstört und versuchte mich aufzurichten, doch er hielt mich fest.
"Keine Ahnung, aber bleib mal besser liegen. Du siehst gar nicht gut aus."
"Danke" empörte ich mich, befolgte aber seine Anweisung. Zu etwas anderem war ich eh nicht in der Lage. Matti legte seine Hand auf meine Stirn und musterte mich ernst.
"Scheint, als hättest du eine fiese Erkältung."
"Ja klar, so ganz ohne Husten und Schnupfen." Ich sah ihn skeptisch an und setzte mich wieder auf.
"Fieber hast du auf alle Fälle, und ehrlich gesagt siehst du totenblass aus."
"Was tut ihr da auf dem Boden?" Ich streckte meinen Kopf nach oben und fing einen belustigten Blick von Björn auf.
"Sara ist eben grade..."
"...aufgefallen, dass ich meinen Ohrring verloren hab. Ich dachte, er würde hier vielleicht auf dem Boden liegen." unterbrach ich Matti schnell. Björn hatte schon genug Probleme, wenn Matti ihm jetzt auch noch den Blödsinn von der Erkältung in den Kopf setzt, kann er sich wieder nicht in Ruhe konzentrieren.
Matti sah mich ungläubig an, zuckte dann aber mit den Schultern.
"Aber du hast doch gar keine Ohrringe getragen, als wir losgefahren sind." warf Björn ein und klopfte mir grinsend an die Stirn. "Du hast ein Gedächtnis wie ein Sieb."
"Ah... deshalb hat der andere also auch gefehlt... Naja, egal... können wir in unser Zimmer?" Hastig nickte ich Matti zu und hakte mich dann bei Björn unter. Ich musste so schnell wie möglich in mein Bett.

Als ich am nächsten Morgen erwachte war das Bett neben mir leer. Björn war wohl schon zum Training gegangen. Ich fühlte mich etwas besser als gestern und stellte mich im Bad unter die warme Dusche. Von wegen Erkältung, mir ging es doch prima.
Nach dem Frühstück machte ich mich auf den Weg zur Schanze und beobachtete die Norweger beim Training. Björns Sprünge waren gut, besser als ich erwartet hatte. Das ließ doch hoffen für den Wettkampf.
Plötzlich hielt mir jemand einen Becher Tee vor die Nase, der noch heiß dampfte. Ich sah nach, welches Gesicht zu dem Arm da vor mir gehörte und blickte in Arttus Augen. Ich hatte ihn schon wieder nicht kommen hören.
"Schleichst du dich immer so an?" fragte ich fast vorwurfsvoll und nahm ihm den Becher ab.
"Eigentlich hab ich dich ein paar mal angesprochen, aber als du nicht reagiert hast dachte ich, ich lass Tee für mich sprechen." Er setzte ebenfalls einen Becher an und sah mir noch beim Trinken weiter in die Augen.
"Danke" seufzte ich dankbar und wärmte mich an dem heißen Becher. Es war wirklich kalt hier draußen und der Schnee hatte ein bisschen zugelegt.
"Ist nur eine kleine Wiedergutmachung für Silvester." Er grinste mich entschuldigend an und lehnte sich dann neben mir gegen die Bande. Wir unterhielten uns noch eine ganze Weile, bis ich mich schließlich entschloss, im norwegischen Container mal nach dem rechten zu sehen. Meine Kopfschmerzen waren urplötzlich wieder schlimmer geworden und vielleicht hatte Björn ja schon Schluss und konnte mich nach hause bringen.
Doch Pustekuchen. Mika warf mich kurzerhand aus dem Container, weil ich Björn zu sehr ablenken würde und auch die anderen Jungs brauchten ihre Ruhe. Na danke.
"Flachpfeife" fluchte ich angesäuert, während ich mich alleine auf den Heimweg machte. Und auf diese blöde Idee konnte auch wirklich nur ich kommen, es zog wie Hechtsuppe und meine Nase fühlte sich an, als würde sie jeden Moment abfallen. Ich vergrub mein Gesicht tiefer in meinem Schal und zerrte meine Jacke fester um mich. Scheiß Wetter. Nach einer halben Stunde passierte ich das Ortsschild von Vikersund. Als ich endlich vollkommen durchgefroren und klitschnass am Hotel ankam hielt neben mir ein Transporter. Ich war zu geschafft um nachzusehen,wer da ausstieg, sondern konzentrierte mich auf die Eingangstür. Mein Körper fühlte sich langsam, schwer und fremd an. Ich fühlte nicht mal richtig, wie ich einen Fuß vor den anderen setzte. Geistesabwesend legte ich eine Hand auf die Klinke der Eingangstür, bevor ich in mir zusammen sank.

"Findest du nicht, wir sollten einen Arzt holen?"
"Keine Ahnung... vielleicht sollten wir erstmal ihrem Norweger Bescheid sagen..."
"Hmpf... Schade, dass sie schon was mit dem hat.. is ja eigentlich ganz niedlich..."
Ich öffnete benommen die Augen und blinzelte, vollkommen unfähig herauszubekommen, wo ich war.
"Boah, Andi! Jetzt mach mal halblang.... außerdem ist sie krank."
"Aber doch nicht psychisch..."
"Hey, sie hat was mit nem Norweger..."
"Okee...."
Erschrocken riss ich die Augen auf und sah die beiden an.
"Oh.. sie ist wach."
"Das seh ich auch du Trottel." Der Ösi schlug dem anderen Ösi gegen den Hinterkopf und grinste mich entschuldigend an. "Er weiß manchmal nicht, was er redet, weißt du?"
"Morgi, meinst die versteht uns überhaupt?" Der eben geschlagene Ösi sah mich skeptisch an und versuchte bildlich mir etwas zu erklären. Ich schluckte einmal schwer, bevor ich meine Stimme wieder fand.
"Wie komm ich hier her?"
"Der Andi hier hat dich getragen, nachdem du unten auf der Treppe einfach umgefallen bist."
Ich rieb mir die Stirn und versuchte mich daran zu erinnern, was mich dazu veranlasst hatte, mich von Österreichern auf ihr Zimmer tragen zu lassen. Mein Kopf glühte förmlich und die Kopfschmerzen waren unerträglich.
"Ich.. danke..." flüsterte ich und lehnte mich wieder zurück, da mir abermals schwindlig wurde. Was war nur mit mir los? Hätte ich doch auf Matti hören sollen?
"Ehm... also ich geh mal gucken, ob ich irgendwo einen Wikinger auftreiben kann." Prompt verschwand Thomas Morgenstern aus dem Hotelzimmer und ich war mit diesem anderen, immernoch grinsenden Ösi alleine. Er klatschte mir einen nassen Lappen auf die Stirn und setzte sich dann neben mich.
"Du kannst einen ganz schön erschrecken, weißt des? Ich hab noch nie jemanden einfach so umfallen sehen."
"Und ich bin noch nie einfach so umgefallen" gab ich zurück und zog den Lappen zurecht. Das kühle Stück Stoff fühlte sich angenehm auf meiner Stirn an. Ich schloss wieder die Augen und wünschte, dass dieses andere Etwas bald mit Björn zurückkehren würde. Schweigend vergingen einige Minuten, bis sich die Tür wieder öffnete und der Ösi mit Lars herein kam.
"Die Leiche gehört net zu uns." Ich starrte ihn sprachlos und mit offenem Mund an, als Lars sich wieder umdrehte. Er wollte das Zimmer gerade verlassen, als er gegen Björn prallte. Die beiden diskutierten auf dem Flur, bis Björn endlich über Lars Schulter schaute und mich auf dem Ösi – Bett liegen sah.
"Sara!! Was zur Hölle tust du hier?" er riss erschrocken die Augen auf und stürmte ins Zimmer. Vorsichtig hob er mich vom Bett hoch.
"Unfreiwillige Gefangennahme" flüsterte ich auf Norwegisch und sah zu den beiden Österreichern. Die Zwillings – Ösis erklärten ihm was passiert war und Björn trug mich in unser Zimmer. 20 Minuten später wurde ich schon von einem Arzt untersucht und bekam strenge Bettruhe verschrieben. Zumindest für die nächsten drei Tage. Wenn ich das gleich gewusst hätte, hätt ich auch direkt zuhause bleiben können. Den Wettkampf würde ich jedenfalls nicht live erleben.
Ich langweilte mich tödlich und kannte das Nachmittagsprogramm von NRK schon auswendig, als Matti auf einmal in der Tür stand und mich rechthaberisch angrinste. Erst nachdem ich ihn einige Minuten ignorierte konnte er es irgendwann nicht mehr aushalten.
"Ich habs dir ja gleich gesagt!"
"Halt die Klappe. Entweder du kümmerst dich um mich, oder du machst die Tür von draußen wieder zu." Ich gähnte herzhaft und machte ein bisschen Platz für Matti auf meinem Bett. Der setzte sich jedoch auf die gegenüber liegende Bettseite.
"Nimms mir nicht übel, aber ich kann deine Bazillen grad so gar nicht gebrauchen.
Ich schniefte verächtlich und zog mir ein Taschentuch aus der Box, die Björn mir ans Bett gestellt hatte.
"Was willst du denn dann hier?"
"Wollt nur gucken, wie es dir so geht." Er musterte mich besorgt und reichte mir dann eine Schachtel Tabletten. "Hier, die helfen bei mir gegen Erkältung immer. Hab ich eben aus der Apotheke geholt."
Lächelnd nahm ich die Schachtel und drehte sie andächtig in meiner Hand. Es war lieb, dass er vorbei gekommen war und auch noch für Medizin gesorgt hatte. Manchmal konnte Matti richtig süß sein. Auch wenn er das meistens hinter seiner griesgrämigen Maske versteckte.
"Dankeschön." Ich legte die Schachtel auf meinen Nachttisch und zog meine Decke höher. Irgendwie war es kalt hier drinnen.
"Brauchst du sonst noch irgendwas?" Obwohl ich mit dem Kopf schüttelte, ging er ins Bad und holte mir einen kalten Lappen, den er mir auf die Stirn legte. An Matti war wirklich eine kleine Krankenschwester verloren gegangen. Grinsend bedankte ich mich nochmal und schloss seufzend die Augen während er mir von der Quali und von allem drum herum berichtete, doch nach ein paar Stunden verabschiedete er sich und drückte mir noch einen Kuss auf die Stirn, bevor er das Zimmer veließ. "Gute Besserung." flüsterte er und schloss dann leise die Tür hinter sich.
Bevor ich mich wieder langweilte, zog ich mir meine Decke über den Kopf und schloss die Augen. Ich sollte schafen, am besten bis Montag Morgen. Wie soll nur ein Wochenende weiter gehen, an dem ich zuerst in den Armen meines Ex-Ex lag und danach im Bett von zwei Österreichern? Vielleicht sollte ich mir einen Strick nehmen... oder wie stark sind Mattis Tabletten...?


* Lea *

Wo treibt Sara sich nur rum? Ich habe bereits das dritte mal versucht sie anzurufen, aber sie geht einfach nicht an ihr Handy. Ich ging in die Küche, holte mir einen Joghurt und eine Flasche Wasser und setzte mich vor den Fernseher. Da ich ja nicht nach Vikersund geflogen bin, wollte ich mir das Springen wenigstens im Fernsehen anschauen.
"Na toll." Wie immer hatte ich das Glück, dass ich gerade während der Werbepause einschaltete. Versuch ich es eben noch mal bei Sara. Ich griff nach meinem Handy und wählte ihre Nummer.....wenn sie dieses mal nicht rangeht ruf ich einfach mal bei Matti an.
"Servus."
"Sara??" entsetzt über die männliche Stimme mit Ösi-Dialekt brüllte ich ins Handy.
"Hä? Nee die Sara is net da. Ich bins der Andi."
"Aha. Und was zur Hölle machst du mit Saras Handy......Andi?"
"Das hat sie bei mir im Bett vergessen."
Sprachlos drückte ich auf den roten Hörer und starrte auf den Fernseher, wo gerade die Wiederholung der Quali lief. Gerade in diesem Moment war Andreas Kofler dran. "Ironie des Schicksals..." Aber was zur Hölle hatte Sara bei einem Ösi im Bett verloren? Man kann sie auch nirgends alleine hin lassen. Ich verfolgte weiter das Springen und beschloss morgen noch mal bei Sara durch zu klingeln....irgendwann wird sie sich ja wohl ihr Handy zurück holen.

"Lea? Leeea......Lea Lea Lea!"
"Hä?" geistesabwesend drehte ich mich zu Ville.
"Dein Bier...."
"Danke." Ich nahm Ville das Bier ab, bevor er wieder seinen Platz gegenüber von mir einnahm. Wie fast jeden Mittwoch saßen wir – also Ville, Jussi, Matti und ich – im Henry`s und tranken Bier. Normalerweise war auch Vellu dabei, aber er ging mir noch immer so gut es eben ging aus dem Weg. Vielleicht sollte ich es ernsthaft in Erwägung ziehen, mir meine eigenen vier Wände zu suchen. Es macht zwar Spaß mit ein paar anderen Leuten zusammen zu wohnen, aber immerhin hatte eine eigene Wohnung den Vorteil, dass man sich jeder Zeit zurück ziehen kann. Noch immer in mein Pläne vertieft, sprang plötzlich Jussi von seinem Platz auf und erschreckte mich fast zu tode.
"Da ist ja unser neuer Ehrenmitbürger."
Ich drehte mich um, um zu sehen, wen Jussi denn meinte und sah Harri, der gerade das Pub betrat. Zielstrebig steuerte er unseren Tisch an (Jussi konnte man ja auch grad sehr schlecht übersehen) und begrüßte alle, bevor er sich auf den freien Platz neben mir niederließ.
Wir blieben nicht sehr lange. Immerhin war morgen wieder Uni und gegen Nachmittag sollte es nach Zakopane gehen. Ich war mir noch nicht sicher, ob ich mitfliege. Eigentlich hatte ich keinen Grund nach Polen zu fliegen....ich mochte Polen nicht sonderlich und außerdem war ich mit keinem der anwesenden mehr zusammen – und das sollte auch vorerst so bleiben. Egal ob Skispringer oder nicht, seit Silvester stand für mich fest, dass ich der Männerwelt vorerst den Rücken zu kehre. Und mal im Ernst....als Mädel unter so vielen Kerlen dürfte das ohnehin alles andere als leicht sein.

"Moi. Ist hier noch frei?"
"Ja klar." Ohne den Blick von meiner Zeitung ab zu wenden antwortete ich. Ich saß in der Uni – Mensa und genoss meine Freistunde.
"Gibt es da irgendwas interessantes?" Ich schaute über meine Zeitung und erkannte erst jetzt, wer sich zu mir gesetzt hat.
"Oh Harri...was machst du denn hier?" Ich faltete meine Zeitung zusammen und steckte sie in meine Tasche.
Harri schaute sich einmal in der Mensa um, bevor er mir antwortete. "Studieren?"
„Komisch...ich hab dich hier noch nie gesehen...“
„Naja...Jussi sieht man hier auch eher selten oder? Ich hab ihn jedefalls noch nie getroffen, obwohl wir eigentlich ein paar gemeinsame Kurse haben müssten.“
„Ja Jussi betreibt Heimstudium oder sowas.“ lachte ich. Harri erzählte mir, dass er seit diesem Semester Mathe hier in Kuopio studiert, aber es erst letzte Woche geschafft hatte, vollständig von Rovaniemi nach Kuopio um zu ziehen.
„Oh mist...meine Vorlesung fängt gleich an.“ Ich kramte meine Sachen zusammen und zog meine Jacke über.
„Ok. Wir sehen uns dann ja nachher auf dem Flughafen.“
„Naja..eigentlich hatte ich nicht vor mit zu fliegen...“
„Nicht? Oh...schade...Zakopane wird bestimmt lustig. Sogar Jussi kommt mit, da ja der Coc in Braunlage abgesagt wurde.“
„Jussi? Ach der ist doch nur dabei, weil in Polen das Bier so billig ist.“ lachte ich. „Ok wenn ich das mit dem packen noch auf die Reihe kriege, bin ich dabei.“ rief ich Harri noch zu, bevor ich aus der Mensa verschwand.

„Vellu wann holt Tommi dich ab?“ kaum zuhause angekommen, zerrte ich meinen Koffer vom Schrank, während Vellu gemütlich in der Küche saß und Kaffee schlürfte.
„In einer Stunde wieso?“
„Gut das schaff ich.“ Ich kramte einige Sachen aus meinen Schrank und verstaute sie im Koffer.
„Kommst du mit nach Zakopane?“ Vellu lehnte in meiner Zimmertür und beobachtete mein munteres Treiben.
„Ja..ich hab mit Sara telefoniert...sie wird auch da sein.“
Vellu schaute mich skeptisch an „Sara huh? Bist du dir sicher, dass es nicht Jussi war, der dich mit den günstigen Bierpreisen gelockt hat?“ grinste er schließlich.
Ich sah kurz zu Vellu auf und grinste ebenfalls, bevor ich weiter packte. Es ist schon sehr lange her, als wir das letzte mal so locker miteinander umgehen konnten.

Etwa 3 Stunden später saß ich dann zwischen Ville und Jussi in einer Finnair Maschine, die uns nach München bringen sollte. Von dort mussten wir dann umsteigen. Jedenfalls war es so geplant. Aber Pläne soll man bekanntlich nicht machen, da sie sich nur schwer erfüllen lassen. In Deutschland schien das Wetter gerade mehr als unschön zu sein. Was genau los war, wusste niemand. Tatsache war, dass wir eigentlich gegen 17 Uhr weiter nach Polen fliegen sollten, wir aber um 19 Uhr noch immer in der Wartehalle des Flughafens saßen und keine Ahnung hatten was los war.
„Ich brauch jetzt nen Bier.“ Jussi zog Richtung Kiosk ab, gefolgt von Ville, der sehr angetan von dieser Idee war.
„Jungs bringt mir bitte eins mit.“ rief Tommi den beiden hinterher. Harri und ich starrten Tommi ganz entsetzt an, der nur mit den Schultern zuckte. „In der Not frisst der Teufel fliegen.“ Nachdem Jussi und Ville zurück waren, erklärte Tommi uns was hier eigentlich los war. Offenbar wütete da draußen ein heftiger Sturm, von dem man in dem riesigen Flughafengebäude nichts mitbekam. Alle Flüge wurden vorerst gestrichen.
„Also...wie es scheint dürfen wir die Nacht hier verbringen.“ Tommi schien ziemlich wütend zu sein, da er wusste, dass die Leistung der Jungs für das Springen dadurch auf dem Spiel stand. Matti tigerte schon seit einer Stunde vor meiner Nase auf und ab, was mich so langsam aber sicher nervte. Noch dazu wurde sein Blick immer grimmiger und missmutiger je mehr Verspätung wir hatten, so dass er mit Vellu und Janne Ahonen einen Wettbewerb im böse gucken hätte starten können.
Jussi und Ville besorgten noch einige Bier mehr und gemeinsam machten wir es uns auf dem Fußboden der Wartehalle bequem (von der sitzerei hatte ich mittlerweile die Schnauze voll) Ich war totmüde und durch den Alkohol schlief ich auch bald wie ein Baby.

„Lea? Harri? Wacht auf.“ Ich öffnete die Augen und stellte fest das ich an Haris Schulter eingeschlafen war. Jussi rüttelte mich noch einmal.
„Ja ja ich bin doch schon wach.“ Ich rieb mir die Augen, streckte und gähnte und suchte erstmal die Toiletten. Hoffentlich können wir bald weiter. Ich will endlich in ein richtiges Bett.
Nachdem wir vom Flughafenpersonal mit Frühstück versorgt wurden, mussten wir uns noch bis 15 Uhr gedulden, bevor wir endlich weiter nach Polen fliegen konnten. Von dort aus mussten wir auch noch ein paar Stunden mit dem Auto fahren, bis wir endlich um 20 Uhr im Hotel ankamen. Die Quali hatten wir definitiv verpasst...hoffentlich gab es trotzdem noch eine Chance für die nicht vorqualifierten am Wettkampf teil zu nehmen. Ansonsten waren alle Strapazen umsonst...naja fast...wir hatten ja noch das polnische Bier.
Tommi beratschlagte sich erstmal mit dem Trainerstab, während wir uns in der Lobby geduldeten. Endlich kam er wieder zurück „Die Quali findet morgen statt. Geht auf eure Zimmer und schlaft euch aus, damit ihr fit seit.“ sprachs und schlich sich mit Mika Kojonkoski in die Hoteleigene Bar. „Trainermeeting“ nannte sich das wohl.
„Ok komm Puppe wir gehen unser Zimmer suchen.“ Jussi schnappte sich meine Tasche und steuerte den Aufzug an.
„Wie hast du mich grad genannt?“ Ich war zwar müde und bekam nur sehr wenig von meiner Umwelt mit, aber das hab ich gehört!
„Hehe...war doch nur Spaß.“ grinste Jussi und zog mich von Sessel hoch.

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