Chaos Total

Best view: 1024x768

Kapitel 46
Ville in love.....


* Lea *

Eigentlich war dieses Wochenende Oberstdorf geplant, aber auf diesen Aufstand den Tommi in Zakopane veranstaltet hat, hatte ich beim besten Willen keine Lust. Deshalb zog ich es vor lieber gleich in Finnland zu bleiben. Noch etwa eine Stunde, dann sollte die Quali beginnen. Ich kochte mir noch schnell einen Kaffee, schnappte mir eine Schachtel Pralinen und eine Decke und machte es mir vor dem Fernseher bequem.
„Endlich mal Ruhe hier.“ Ich genoss die Wohnung mal ganz für mich zu haben. Vellu wurde strafversetzt nach Rovaniemi zum trainieren und Jussi wollte zum COC in Bischofshofen.
Ich kuschelte mich in meine Decke und wollte gerade einen Schluck Kaffee trinken, als es plötzlich an meiner Zimmertür klopfte. „Ehmm...ja?“ War Vellu etwa einfach geflüchtet?
„Huhu...“ Jussi schaute um die Ecke und grinste, hinter ihm tauchte dann auch Vellu auf.
„Wir dachten wir leisten die ein bisschen Gesellschaft, damit du nicht so alleine bist. Wir dürfen doch oder?“ Ohne eine Antwort abzuwarten krabbelten beide unter meine Decke. Vellu rechts von mir und Jussi links. Da saß ich nun zwischen meinen beiden – mehr oder weniger – Ex - Freunden.
„Da fängt doch gleich die Quali an oder?“ fragte Jussi kurz bevor er mir den Kaffee weg nahm, während Vellu sich über meine Pralinen hermachte und auch schon die erste im Mund verschwinden ließ. So hatte ich mir meinen ruhigen Nachmittag aber nicht vorgestellt....

„Leeeea! Besuch für dich.“ Ich saß gerade an meinem Schreibtisch und wollte mein Chaos beseitigen....das konnte ja nur Jussi sein.....“Ja schick halt in mein Zimmer.“
„Huhu Lea.“
„Anna!“ Anna war eine sehr gute Freundin von Sara und mir und wir haben sie eine Ewigkeit nicht gesehen.
„Ich dachte ich besuch dich endlich mal hier oben im kalten Norden.“
„Ja super. Sara wollte heute auch her kommen. Eigentlich müsste sie schon längst gelandet sein...“ Ich nahm Anna ihren Koffer ab, bevor wir uns auf mein Bett setzten und erstmal los quatschten. Wir hatten uns eine ganze Menge zu erzählen. Es vergingen einige Stunden, als plötzlich mein Handy klingelte und Sara dran war. „Hei du Schlumpf....wir waren schon vor einer Stunde in der WG verabredet.“
„Oh ist es schon so spät?“ Ich erzählte ihr von Anna und schlug vor, dass wir uns zur Feier des Tages im Henry`s treffen.
Wenig später betraten Anna, Vellu und ich das Pub....selbstverständlich waren Sara, Matti, Ville und Jussi schon da. Wenn es ums trinken ging, waren sie von der ganz schnellen Sorte.
„Haha...Verlierer, Verlierer!“ Wir zogen mal wieder Streichhölzer, wer denn als nächster das Bier bezahlt und wie so oft hatte Ville den Kürzeren gezogen und machte sich murrend auf zur Bar.
„Hey Lea....hat der ne Freundin?“ flüsterte Anna mir zu.
„Anna du kannst normal reden....sie verstehen dich nicht....Wen meinst du denn? Vellu?“
„Nein....den, der grad zur Bar ist...“
„VILLE??“ rief ich entsetzt, während sich 4 Augenpaare auf mich richteten.
„Ja. Ich find den niedlich...und so witzig...“ Annas Augen glänzten, während sie von Ville schwärmte. Ich schlug mir mehrere male gegen die Stirn, bis Jussi schließlich meine Hand festhielt. Doch Anna war noch immer hin und weg von Ville. Sie himmelte ihn regelrecht an und wich ihm den ganzen Abend nicht mehr von der Seite.

„Ville Kulta? Bringst du mir Wasser mit?“ Jussi, Matti, Sara und ich saßen gerade am Frühstückstisch, als Ville breit grinsend und nur mit Boxershorts bekleidet von seinem Zimmer Richtung Kühlschrank watschelte, sich einige Dinge heraus nahm und genauso grinsend wieder in seinem Zimmer verschwand. Sara und ich starrten ihn mit offenen Mund hinterher, während Matti sich an seinem Brötchen verschluckte und mit einem Hustenanfall kämpfte.
„Wir sollten mal mit Anna reden...offensichtlich hat sie ein ernsthaftes Problem...“ meinte Sara schließlich.
„Ja genau wie du vor ein paar Wochen...“ stichelte Matti, wofür er von Sara einen vernichtenden Blick kassierte. „Monate“ korrigierte sie „Es ist bereits 6 Monate her...“
„Jetzt lasst sie doch. Freut euch lieber für beide.“ mischte sich Jussi ein, entsetzt über diesen Spruch starrten wir ihn alle drei an, doch Jussi zuckte nur mit den Schultern.
Dann öffnete sich Villes Tür nochmals.
„Bitte lass ihn dieses mal mehr anhaben...“ Matti faltete die Hände zusammen. Offensichtlich hatte er mehr Glück als Verstand, denn zu Villes Shorts hat sich noch ein T-shirt gesellt.
„Anteeks....hab noch was vergessen.“ Ville kramte im Küchenschrank rum und nahm eine Haushaltsrolle aus dem obersten Schrank und stellte sich dann kurz zu uns an den Tisch
„Wie widerlich...“ Matti rümpfte die Nase.
„Anna hat was ausgekippt...was dachtest du denn?“ grinste Ville.
„Was is Kantee?!“ meckerte Matti, nachdem Ville auch ein paar Minuten später noch unaufhörlich in die Runde grinste.
„Seltsam....in letzter Zeit könnte man echt denken zwischen euch läuft wieder was...naja bis später.“ Mit diesen Worten verschwand die Grinsebacke wieder in seinem Zimmer. Während Sara und ich uns gleichzeitig am Kaffee verschluckten und Matti riesige Augen machte, grinste Jussi nur still vor sich hin.


* Sara*

Gelangweilt sah ich Jussi dabei zu, wie er seine Sachen für den Weltcup in Deutschland packte. Endlich kamen die anderen auch mal wieder zum Zug. Vellus Tasche stand schon im Flur der WG, da die beiden hier nachher abgeholt werden wuerden.
„Weisst du, es macht mich ein klein bisschen nervös, wenn mich eine Frau dabei beobachtet, wie ich meine Boxershorts in meine Tasche zwänge.“ Jussi sah mich genervt an, doch ich lehnte mich nur entspannt gegen die Wand. „Wieso? Im Conti Cup kann dich doch auch jeder beim Umziehen beobachten.“
„Ja, aber von denen kenn ich keine!“
„Dann tu doch so als würdest du mich nicht kennen.“ schlug ich vor.
„Dann würdest du nicht auf meinem Bett sitzen.“
„Siehst du, ich sitze schon auf deinem Bett, wen interessieren da noch deine Boxershorts?“ Ich lief grinsend aus dem Zimmer, als Jussi ein Kissen nach mir warf. „Plagegeist!“
Im Wohnzimmer hatten es sich Vellu und Matti auf dem Sofa bequem gemacht, ich zwängte mich zwischen die beiden und versprühte mit einem breiten Grinsen gute Laune.
„Wasn bei der kaputt?“ Vellu beugte sich nach vorne und sah Matti fragend an.
„Och das Übliche, hier und da ein kleines Pillchen...“
„Das ist doch blanker Neid ihr Muffmonster.“
„Wir... was?“ Vellu grinste mich an.
„Muffmonster.“ entgegnete ich nochmal, obwohl ich selber keine Ahnung hatte, woraus ich das Wort grad geschöpft hatte. Vellu beugte sich nochmal nach vorne und grinste zu Matti.
„Die Deutschen sind doch ein bisschen bekloppt.“
„Nix neues fuer mich, ich war ja ne Weile mit einer zusammen.“ entgegnete er trocken und starrte weiter auf den Fernseher, während ich eine Schnute zog. Irgendwann begab sich Vellu auf die Suche nach Jussi um ein bisschen zu drängeln. Nachdem er aus dem Zimmer war legte Matti einen Arm um meine Schulter. „Naja, ganz so übel bist du ja nicht.“
„Danke.“

„Ich find es immernoch eigenartig, dass ihr in Kuopio trainiert. Bei uns gibts doch auch Schnee.“ Kopfschüttelnd stand ich neben Björn und Lars und sah Mika dabei zu, wie er im Schnee irgendetwas vorzeichnete.
„Ich glaub, Mika hatte Heimweh.“ flüsterte Lars und grinste.
„Sklaventreiber, der.“ grummelte es von meiner anderen Seite und ich sah in Björns angesäuertes Gesicht.
Sie machten ein paar Trainingssprünge, während ich es mir oben im Puijon Turm so richtig gemütlich machte. Von hier hat man einfach ne tolle Aussicht. Alles war wie mit Puderzucker bedeckt und herrlich romantisch. Ich hatte mich sogar heute Morgen um 8.30 aufgerafft um mir den tollen Sonnenaufgang anzuschauen. Finnland ist was fürs Auge.
Plötzlich klingelte mein Handy, auf dem Display sah ich Jussis Namen blinken.
„Was gibts, Hautamäki2?“
„Eh.. eigentlich ist hier Arttu.“
„Oh.. sorry...“ lachte ich und fragte mich gleichzeitig, was Arttu mit Jussis Handy macht und weshalb er mich anruft. „Wie kommst du denn an Jussis Handy?“
„Hat Vellu ihm geklaut, weil ich dich anrufen wollte.“
„Und wieso benutzt du nicht dein eigenes Handy?“
„Weil ich deine Nummer nicht hab.“
„Oh... gutes Argument.“
„Ehm ja.... wie läuft denn das Training von Janne und Matti so?“
„Arttu, du rufst mich doch nicht ernsthaft bei den Mobilfunkpreisen deswegen an?“
„Hmm... nö...“
„Weshalb dann?“
„Hmm.. weiß ich eigentlich auch nicht so genau. Ich dachte du fährst mit zum Weltcup und nun bist du nicht da, da dachte ich, ich meld mich mal.“
„Lieb von dir, wir haben uns ja auch ne Weile nicht gesehen..“
„Ja, wenn ich gewusst hätte, dass du dich ständig in Kuopio rumtreibst, wär ich nicht nach Rovaniemi gezogen...“
Ich grinste ins Telefon, manchmal können Finnen richtig niedlich sein. Wir unterhielten uns noch eine Weile, bis plötzlich Björn im Restaurant auftauchte.
„Du Arttu, ich muss aufhören, Björn ist grad reingekommen.“
„Der Norweger ist in Kuopio?“
„Naja, Björn und Lars...“
„Ah ja... na gut, ich sollte auch aufhören, Jussi bringt mich um, wenn er seine Telefonrechnung sieht, dann bis bald.“
„Jupp“
„Sara?“
„Ja?“
„War schön mit dir zu quatschen.“ Und dann hatte er aufgelegt.
Björn saß mittlerweile neben mir am Tisch und sah mich neugierig an. „Wer war das denn?“
„Arttu.“ antwortete ich, während ich mein Handy zusammenklappte und es in meiner Tasche verstaute.
„Aha.“
„Was „aha“?“ Ich sah ihn skeptisch an, während Björn seine Sonnenbrille zurecht rückte.
„Nichts.“
„Björn!“ Ich hasse, hasse, hasse es, wenn er so tut als wäre nichts, obwohl wieder irgendwas faul ist.
„Vielleicht solltest du mal wieder das Land wechseln. Ich mein, jetzt wo du und Matti wieder so eng befreundet seid und dann noch Arttu...“ Björns Stimme klang höhnisch, fast ein bisschen gemein. Es dauerte einen Moment, bis ich nachvollziehen konnte, was mir da eben überhaupt gesagt wurde.
„Zum Glück hast du ja noch richtig erkannt, dass ich mit Matti nur 'befreundet' bin, nicht das du mir noch mit beiden was andichtest!“ zischte ich und packte meine Sachen zusammen.
„Sara, so war das doch gar nicht gemeint...“ Björn legte besänftigend eine Hand auf meinen Arm doch das half überhaupt nichts.
„Ich weiß dein Interesse an meinem Gefühlsleben sehr zu schätzen, aber misch dich nicht in Sachen ein, die dich nichts angehen.“ Ich nahm meine Jacke vom Stuhl neben mir und verließ ohne ein weiteres Wort den Raum. Was fällt dem eigentlich ein? Selbst wenn er Recht hatte, ich fand ja Arttu nun wirklich ziemlich attraktiv, aber das heisst gar nichts. Und außerdem ging es ihn ja auch überhaupt nichts an. So. Um mich abzureagieren nahm ich die Treppe statt dem Fahrstuhl, doch selbst als ich unten in der Eiseskälte angekommen war, hatte ich immer noch eine Wut im Bauch. Ich lief in Richtung Schanze und traf im Auslauf auf Matti, der mich wieder mit in die WG nahm.

Ein paar Tage später waren die Norweger wieder abgereist und die Finnen wieder komplett daheim. Zusammen gingen wir Montag Nachmittag einkaufen, da mal wieder nichts zu essen da war. Auch Arttu war noch ein bisschen in Kuopio geblieben und begleitete uns. Auf dem Weg zum Supermarkt kamen wir immer wieder an riesigen Schneehaufen vorbei, die der Räumdienst in regelmäßigen Abständen hinterlassen hatte. Ville schielte schon ständig hinüber, wenn wir an einem vorbei kamen, bis er schließlich mit gehörigem Anlauf und einem lauten Schrei hineinsprang. Auf dem Fussweg wich eine jüngere Frau mit ihrem kleinen Sohn erschrocken zurück, als Ville sich auf den Haufen stürzte.
„Manchmal ist er echt peinlich.“ flüsterte Matti und ich grinste ihn an „Manchmal ist da wohl noch leicht untertrieben...“
„Hmm... das macht bestimmt Spaß...“ fing nun auch Jussi an und ließ sich beim nächsten Schneehaufen dazu verführen, auch lauthals hinein zu springen.
„Und der soll älter sein als ich... tsss...“ grummelte Matti wieder und beschleunigte seinen Schritt.
„Ach komm, jetzt stell dich nicht so an...“ lachte ich und beim nächsten Haufen sprangen auch Arttu und ich. Skihosen sind was feines, da wird man einfach nicht nass.
Wir bearbeiteten Matti noch eine ganz Weile und schließlich gab er klein bei. „Ist ja guuuut!“ Er nahm Anlauf und stürzte sich lachend mit den Knien voran auf den Haufen.
„Ahh!“ Sofort nach dem Aufprall wussten wir, dass irgendwas faul war. Matti saß auf dem Schneehaufen und rieb sich sein rechtes Knie.
„Verfluchter Kinderkram!“ meckerte er, als wir bei ihm waren. Der Schneehaufen war leider genau auf einem kleinen Fahrradständer errichtet worden und Matti war drauf gelandet. Schöne Bescherung. Doch bei genauerem Untersuchen stellten wir fest, dass es nichts Schlimmeres war, es würde wahrscheinlich nur ein schöner, großer, blauer Fleck entstehen.
„Wenn ich das nächste Mal auf euch hören will, erinnert mich an diesen Moment.“ grummelte Matti und betrat griesgrämig den Supermarkt.
„Hätt ich mir auch denken können, dass bei ihm irgendwas passiert...“ grinste Arttu und schnappte sich ein Sixpack Bier aus dem Regal.
Ich schob langsam den Wagen hinter den Jungs her, während Arttu immer neben mir lief.
„Naja, das Wort „Pechvogel“ können sie sich alle irgendwie auf die Stirn tätowieren lassen...“ flüsterte ich und Arttu stubste mir lachend in die Seite. Wir kauften alles, was wir brauchten – was bei den Jungs mehr oder weniger aus Bier, härterem Alkohol und fettfreien Chips bestand und bei mir aus einer großen Hawaiipizza mit extra Käse, sowie ein bisschen Schoki für Lea und Popcorn.
Wieder in der WG angekommen, hatten Lea und Harri schon den Fernseher in Gang geschmissen und einen Stapel DVD´s davor zurecht gelegt.
„Come out, come out, wherever you are...“ trällerte Ville ständig mit gekünstelt hoher Stimme, als wir uns „Hide and Seek“ ansahen. Ich saß zwischen Arttu und Jussi, die den Film allerdings eher lustig fanden und mich immer mit Popcorn bewarfen, wenn es gruselig wurde. Schließlich mussten wir uns danach auch noch „Panic Room“ angucken, irgendwann schloss ich einfach gelangweilt die Augen und döste vor mich hin. Als ich wieder aufwachte, war das Wohnzimmer dunkel und ich lag an Arttus Brust gelehnt. Der Fernseher war aus. Hmm... so lange kann ich doch nicht geschlafen haben.
„Wieder wach?“ Ich zuckte zusammen, als ich Arttus Stimme hörte.
„Hmm... so ziemlich... wo sind die denn alle hin?“
„Ins Bett gegangen, es ist schon kurz nach 2.“ Ich sah zur Uhr des DVD Players, 02:11Uhr.
„Und Lea ist auch schon weg?“
„Jupp, Jussi meinte, du kannst hier auf dem Sofa schlafen.“
„Und wieso bist du noch wach?“
„Weil du mich nicht weg gelassen hast...“ ich sah auch im Dunkeln noch sein Grinsen. Er seufzte leise und lehnte seinen Kopf gegen die Wand. „Sorry, muss ja höllisch unbequem sein.“ Ich wollte mich aufrichten, doch Arttu legte einen Arm um meine Hüfte und hielt mich fest. „Du kannst ruhig so liegen bleiben.“ flüsterte er und starrte weiter an die Decke.
„Ist mit dir alles okay?“ Ich betrachtete ihn unsicher, doch Arttu lehnte entspannt an der Wand.
„Hm, alles bestens.“ Er sah mir in die Augen und lächtelte warm. Müde legte ich mich richtig aufs Sofa und kuschelte mich wieder an Arttu, der wohl schon eingeschlafen war, jedenfalls sagte er nichts mehr. Durch seinen Pullover konnte ich sogar seinen Herzschlag hören. Bevor ich einschlief dachte ich noch, komisch, dass sein Herz so rasend schnell schlägt.
Gratis bloggen bei
myblog.de