Chaos Total

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Wie so oft ließ ich mich heute mal wieder durch jemanden dazu inspirieren, die Welt um eine Meinung zu bereichern. Aber was soll ich auch sonst tun, wenn das einzige, was schmerzfrei funktioniert, das Bewegen der Finger ist?
Jedenfalls hat mich die email einer Freundin zum Denken angeregt. Sie hat nämlich auf dem persönlichen Blog einer Bekannten deren Statement dazu gefunden, wie man denn als Mittzwanziger den Beziehungsstatus zu jemandem klärt. Woran weiß man, wann man in einer Beziehung, in einer Affäre, oder lediglich in einer Freunschaft mit benefits gelandet ist?
Und je mehr ich mir darüber Gedanken mache, fällt mir auf, dass ich genau diesen Beitrag hier unbedingt ins Englische übersetzen sollte, da etwa 95% meiner männlichen Finnischen Freunde Nachhilfe in diesem Thema verdammt nötig hätten.

Fangen wir doch mal ganz vorne an, okay, nicht ganz vorne – Sandkastenlieben sind nun wirklich zu einfach. Aber so früher waren die Dinge ja auch noch ganz simpel. Man verschickte Zettelchen auf denen Stand “Willst du mir mir gehen? Ja , Nein, Vielleicht.” und sofort waren die Fronten geklärt. Man lief eine Weile Händchen halten durch die Gegend und wenn man sich nicht mehr mochte, trennte man sich eben wieder. Der Freundschaft hat das jedenfalls nicht geschadet.
Doch je älter man wird, desto komplizierter wurde es. Okay, zugegeben, selbst in der Pubertät war es noch irgendwie einfach. Wenn man auf der Schulparty knutschend mit jemandem in der dunkelsten Ecke des Raumes, mit etwa 5 anderen halbwüchsigen Pärchen stand, war man eben ein Pärchen. Komischerweise hielten diese Beziehungen zumindest aus meiner Sicht immer relativ lang. Fassen wir aber mal zusammen, enger Körperkontakt, nicht zwangsweise mehr als Küssen, definierte wann man ein Paar ist. Ist doch einfach, oder?

Irgendwann kommt man aber an den Punkt, wo man es nicht mehr so genau weiß. Da trifft man jemanden in der Bar, verbringt die Nacht miteinander und verzieht sich am nächsten Morgen – okay, das ist noch simpel, ein One Night Stand eben.
Was aber, wenn man jedes Wochenende in der Bar denselben trifft und mit ihm heimgeht? Es ist keine Beziehung, da sind wir uns einig, oder? Es ist noch nichtmal eine Freundschaft, denn schließlich hört man unter der Woche nichts voneinander. Eine Affäre? Hmm... vielleicht. Wenn man mal von den aufregenden Affären absieht, die uns das Fernsehen immer vorgaukelt. Denn so aufregend ist das Leben eines Normalsterblichen nun wirklich nicht.
Welche Beziehungsarten gibt es denn überhaupt?
Freundschaft – die ganz platonische Beziehung von der kein Mann glaubt, dass sie zwischen Mann und Frau überhaupt möglich ist. Hmm, ich muss zugeben.. in dem Bereich kenn ich mich wirklich nicht gut aus...
Dann hätten wir noch Freundschaft mit Sex. Eine zugegebenermaßen tolle Erfindung. Solange das dann mit der Freundschaft aber auch klappt und nicht einer von beiden irgendwann doch zu viele Gefühle entwickelt. Been there, Done that.
Dann gibt es da noch die tolle Bezeichnung des Friend with benefits. Da is mir wiederum net ganz klar, ob das dasselbe ist wie vorhergehende Beziehung. Meiner Meinung nach muss man dazu aber net mal befreundet sein. Man ruft sich an, wenn man Lust auf Sex hat, trifft sich, geht wieder. Aus eigener Erfahrung möchte ich hierbei anmerken, dass man – auch wenn man sich nur zum Sex trifft – doch zumindest den Respekt und die Grenzen der Höflichkeit dem anderen gegenüber nicht unterschreiten sollte. Zumindest mir hat es gereicht, um das Interesse an meinen “Benefits” zu verlieren...
So, dann gibt es noch Affären. Aber bei denen gibt es wiederrum sehr sehr feine Unterschiede. Man kann zum Beispiel sich regelmäßig treffen, tollen Sex haben, ohne schlechtem Gewissen wieder gehen um das Ganze eine Woche später zu wiederholen. Dann wiederrum gibt es Affären die noch Aktivitäten wie Kino oder Restaurantbesuche beinhalten, also schon fast wie eine Beziehung sind, nur eben nicht offiziell. Und was passiert eigentlich, wenn man eine Affäre mit jemandem hat, der verlobt, verheiratet oder eben einfach nur “schon vergeben” ist? Gut, ändert am Beziehungsstatus nicht viel, schränkt aber die Entwicklungsmöglichkeiten so ziemlich ein.
Und zu guterletzt: die Beziehung. Das große schlimme Wort, bei denen es allen Männer scheinbar kalt den Rücken runterläuft, während es in den Köpfen der meisten Frauen nur von allen Seiten “Hallelujah” schallt. Man ist also fest zusammen, exklusiv zusammen, keine anderen Männer oder Frauen kommen mehr in Frage. Vielleicht wirft sich sogar das Thema auf, ob man Freunde dank des neuen Partners vernachlässigt. Moment.. wenn ich das hier so lese.. was ist eigentlich so toll an einer Beziehung?
Man darf anderen Männern vielleicht noch (aber auf gar keinem Fall im Beisein des Angebeteten) hinterherschauen, anfassen ist jedoch definitiv verboten. Das Bedarf zwar alles einiger Diskussion mit dem Partner, was denn nun erlaubt sei und was nicht, aber wir sind uns doch wohl einig, man ist eingeschränkt? Außerdem ist da die Frage der leidlichen Geschenke an Weihnachten, Geburtstagen, Jahres-/Monatstagen und der Super-GAU: Valentinstag.
Dann hätten wir ja noch das kategorische Ablehnen eines jeden Mannes wenn es ums Reden geht. Und hey, ich leb seit einem Jahr in Finnland. Für mich ist das noch schlimmer, als sich jede Frau in Deutschland vorstellen kann...
Frau bildet sich ja mittlerweile schon weiter und liest Bücher. “Wie Männer ticken” zum Beispiel, kann ich nur empfehlen, gibt wirklichen einen tollen Einblick in die verkorkste Psyche eines jeden Mannes. Und kurzgesagt lehrt einen das Buch auch eigentlich nichts anderes als “Lass deinen Mann in Ruhe, gönn ihm seine Freizeit, seine Hobbys, zwing ihn nicht zum Reden, zum Einkaufen und auch zu sonst nichts. Sei glücklich wenn er zu dir kommt und ein paar Minuten seiner Zeit für dich opfert. Männer sind eben so.”
Okay, das war überspitzt. Aber wieso müssen wir Frauen eigentlich immer Rücksicht auf die Gefühle der Männer nehmen? Da macht man sich Sorgen, ob man nicht zu viel anruft, oder zu viele SMS schickt, nicht das man den guten Herrn verschreckt. Man muss immer topgestylt aussehen, obwohl sie dir dann irgendwann sagen, dass ihnen eh nicht auffällt ob deine Haare nun blond, braun oder grau geworden sind. Beziehungen sind doch eigentlich gar nicht so toll.

Nein, das ist gelogen. Zumindest glaube ich immer noch daran, dass ich sowieso das Interesse an jedem anderen Mann verliere, sobald erstmal der Richtige vor mir steht. Und dass dann überall die Sonne scheint und Vögel singen, wenn ich über beide Ohren verliebt bin. Und das man ja sowieso alles zusammen schaffen kann. Und gut, fangen wir von regelmäßigem Sex mal gar nicht erst an....
Beziehungen sind es also doch wert, dass man danach sucht. Und dennoch hör ich ja immer wieder “wenn man es darauf anlegt, passiert es sowieso nicht”. Ja, was denn nun?
Und.. nun ja, wir hätten immernoch nicht geklärt, woran man denn den Beziehungsstatus nun eigentlich definiert. Da sieht man mal wie leicht Frau vom Thema abweichen kann, wenn es um änner geht.
Ab wann ist man denn nun also zusammen? Ab 2 Monaten regelmäßigem Treffen, Sex inbegriffen? Oder ab dem Punkt wo man entscheidet, dass man kein Interesse mehr an jemand anderem hat? Woher weiß man aber in dem Fall, dass der Partner das genauso sieht?
Und soll man wirklich drüber reden und es klären? Da kommt ja mal wieder das Klischee, dass Frauen alles ausdiskutieren müssen. Aber ganz ehrlich, das funktioniert sowieso nicht. Ich hab es ausprobiert und nach einer Woche, in der ich keine Stunde ohne ihn verbracht hab, mal die Frage gestellt “Du, was ist das denn nun eigentlich zwischen uns?” und als Antwort bekam ich “Ich weiß nicht, werden wir doch sehen wie es läuft.” Genau. Danke. Selbige “Beiehung” war übrigens zwei Wochen später vorbei.
Ich könnte hier noch ganz andere Beispiele bringen, in denen das Klären eigentlich bestens lief und alles Friede, Freude, Eierkuchen war. Man fühlte sich schon fast sicher im Beziehungshafen angekommen und dann – ja dann kam der Holzhammer. Denn, so ungern ich es auch sage, mit Männern muss man eben doch vorsichtig sein. Sie mögen die widersprüchlichsten Geschöpfe auf diesem Planeten sein (und glaubt ja nicht daran, wenn ein Mann sagt das Frauen einfach nicht zu verstehen wären, die wollen nur von sich ablenken), denn obwohl die meisten Männer das Tempo der Beziehung bestimmen, wollen sie es ja eigentlich so langsam wie möglich angehen. Ja, nur weil sie es nach dem zweiten Date nicht mehr abwarten können, die Frau ins Bett zu bekommen, heisst das noch lange nicht, dass sie sich im Klaren sind, was sie denn von selbiger wollen. Um mal jemanden aus meinem Freundeskreis zu zitieren “Es fällt mir nicht schwer, einer Frau zu sagen, dass ich sie mag. Aber es fällt mir sehr schwer, zu sagen, was ich von ihr will.”
Denn wie bereits oben angesprochen, fühlte ich mich nach 2 monatigem “Sehen” und seinem Geständnis, das er mich “daten” will, was seiner Meinung nach für mich hätte offensichtlich sein müssen, viel ZU sicher. Ich wähnte mich im siebten Himmel,freute mich schon auf das nächste Treffen, als plötzlich Funkstille eintrat. Nun ja, beschäftigt, redet man sich da ein. Aber nach einer Woche wird das Ganze merkwürdig. Also, Frau fasst sich ein Herz und fragt Mann, was denn eigentlich los sei, ist die Hand zum Bedienen des Handys abgefallen, oder wie?
Nein. Denn Mann stellte plötzlich fest, er habe vielleicht nicht genug Gefühle, um mich zu daten. Nein, wirklich, kein Witz.

Aber um das zuverstehen muss ich weiter ausholen. Wie bereits erwähnt, befinde ich mich in Finnland. Und finnische Männer sind merkwürdig. Noch merkwürdiger als alle anderen Männer.
Finnische Männer heiraten früh, statistisch gesehen im ersten bis zweiten Jahr nach Ausbildungsabschluss, was so etwa zwischen dem 24-26 Lebensjahr liegt. Dazu muss man jedoch sagen, dass die meisten Ehen auch geschieden werden bevor der Göttergatte die 30 erreicht hat. Das sind dann eben diese Frühverheirateten, die vor der Ehe vielleicht eine oder gar keine andere Beziehung hatten und in dem Sinne nicht wissen, wie der Haase läuft. Meistens sind bis zur Scheidung dann auch schon 1 bis 2 Kinder da, hätte ja klappen können, damit die Beziehung zu retten.
Sobald ein normaler Finne sich zu einer festen Beziehung durchringt, ist das für ihn dann auch vergleichbar mit einer Verlobung. Und da die meisten Finnen ihre Statistik kennen, haben sie Angst, das auch ihre Ehe in die Brüche geht. Deshalb werden die meisten Beziehungen abgebrochen, bevor sie überhaupt anfangen konnten, da der Herr kalte Füße bekommen hat. Richtig nett wirds dann, wenn es sich bei der armen Frau, die mit drin hängt, um eine Ausländerin handelt,und die somit den plötzlichen Sinneswandel ihres Liebsten überhaupt nicht verstehen kann. Zumal die meisten ängstlichen Finnen dazu neigen, den Kontakt zur ehemals Auserwählten über Nacht abzubrechen und vom Erdboden verschluckt zu sein. Nein, Finnen wollen damit nicht besonders grausam sein, es ist für sie einfach die beste Methode um die Frau, die sie ja eigentlich mögen, aber eben (aus ihrer Sicht) nicht haben dürfen, zu vergessen. Komplette Ignoranz ist die Folge. Da wird noch nicht mal Hallo gesagt, wenn man sich einen schönen Tages auf der Straße begegnet.
So ist das hier oben, und ihr werdet mir net glauben, aber diese Nummer ist mir und meinen Freundinnen hier oben schon mehrfach passiert, und auch den Finninnen sebst, die in dem Fall aber so tun, als würde es sie nicht interessieren. Da lob ich mir doch schon fast wieder deutsche Männer, die in so einem Fall meistens einfach den Mund aufmachen würden.
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